19.12.2012

Meine Maske

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Es ist so. Jeden Tag ist es so. Jede Woche. Jeden Monat. Immer. Es ist immer so...
Ich stehe Früh auf. Schlaftrunken. Müde. Noch nicht ganz da. Ich schaue in den Spiegel. Was ich sehe? Ja, was sehe ich? Ich sehe ein Gesicht. Es ist noch ganz verschwommen & erst nach einer Weile wird ein klares Bild daraus. Dieses Gesicht, es ist blass, mit dicken Augenringen & getrockneten Wasserspuren, die zeigen wo meine Tränen letzte Nacht an meinen Augen entsprungen sind & wo sie mündeten, an meinem Hals, in meinem Mund, auf dem Kissen. Ich fahre mir mit einer Hand durch die Haare. Sie sind ganz verfilst vom hin & her-Gewälze auf meinem Kissen, vom unruhigen Schlaf. Ich nehme meine Bürste & versuche die Mähne etwas zu zähmen. Dann gehe ich ins Bad. Ich fülle meine Hände mit kaltem Wasser, dem kältesten aus unserem Wasserhahn, & wasche mir die Tränenspuren der letzten Nacht aus dem Gesicht. Ich putze mir die Zähe. Anschließend gehe ich wieder zurück in mein Zimmer. Ich öffne die Türen meines Kleiderschranks & fange an mir meine Maske zu bauen. Meine Maske für den neuen Tag. Der Schrank, er ist voll. Zu voll. Trotzdem habe ich nichts was ich anziehen könnte. Ich stehe bestimmt 20 Minuten davor & starre hinein. Letztendlich entscheide ich mich doch für meine alten Lieblingsklamotten, die ich doch gar nicht oft trage. Ich ziehe mich an. Gucke wieder in den Spiegel. Nein. Das ist nicht gut. Ich ziehe mich wieder um. Diesmal sind es meine neuen, geradeerst vorige Woche gekauften, Klamotten, die ich eigentlich gar nicht mag, aber für meine Maske ist das besser. Ich stelle mich wieder von den Spiegel, der nächste Teil meiner Maske ist an der Reihe. Meine Haare, sie sind lockig, von Natur aus, doch das sollen sie nicht, das passt nicht in meine Maske. Also glätte ich sie. Mein Geschicht. All die Unregelmäßigkeiten. Sie stören. Dort gehören sie nicht, nicht in meine Maske... Ich decke sie ab. Meine Augen. Die Augenringen vom wenigen Schlaf, die roten Ränder vom weinen. Auch sie gehören dort nicht hin, nicht in meine Maske. Mit Maskara, Eyeliner & Kajal bekomme ich das schon hin. Zum Schluss kommt noch das wichtigste, was in meiner Maske nicht fehlen darf. Ich setze mir mein eigentlich nicht anwesendes & gelogenes Lächeln ins Gesicht.
Meine Maske steht. Wie jeden Morgen. Wie immer.

© selbstgeschreiben (aber nicht direkt auf mich bezogen)
♥ Addi

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